ABS-Hydraulikeinheit Instandsetzung

Re: ABS-Hydraulikeinheit Instandsetzung

Beitragvon Mazda RX-7 SA » Mo 23. Aug 2021, 12:37

Kampfkuchen hat geschrieben:Aber bloß nicht ins ABS Aggregat! Du hast da überall Spielpassungen und ggf. bewegt sich dann nichts mehr, die Viskosität der Bremsflüssigkeit ist da schon wichtig...


Warum nicht?
Das erwähnte Fett ist genau dafür gedacht. Es ist auch extrem dünn. Hast du so ein Fett schon verwendet?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses die Teile zum blokieren bringen kann.


Kampfkuchen hat geschrieben:Eigentlich gibt es keine Stellen an denen man fetten müsste,

Ansichtssache.
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Re: ABS-Hydraulikeinheit Instandsetzung

Beitragvon Kampfkuchen » Mo 23. Aug 2021, 15:23

Es ist für Bremssättel gedacht und nicht für die Hydraulikeinheit. Hier ist mit deutlich geringerer Toleranz gefertigt, einige Teile haben ohne zusätzliche Dichtung schon ihre Dichtwirkung. Nur durch die enorm geringe Toleranz der Bohrungen. Das ist beim Bremssattel absolut nicht der Fall, da ist die Toleranz weit größer. Solche Teile fettet man nicht, da Fett einfach zu viskos ist.

Ich kenne das Zeug, ich würde es aber dort nicht verwenden. Wenn überhaupt nur dort, wo zB Dichtringe sind. Aber dort wo bewegliche Teile sind, rate ich persönlich sehr davon ab.

Aber wie gesagt, das ist nur meine persönliche Meinung. Kann jeder machen, wie er es für richtig hält. Bin schließlich auch kein Hydraulikexperte.

Nur als Beispiel. Beim Bremssattel ist eigentlich maximal gebohrt bzw gefräst/gedreht. Bei der ABS Einheit hat man gehärtete Teile die geschliffen oder gerieben sind. Hier sprechen wir von <15µm Spiel und eine extrem geringe Oberflächenrauheit. Beim Bremssattel eher um die 50-200µm, hier kannst du die Rauheit noch mit bloßem Auge erkennen. Sie ist so gering, dass mein elektronischer Messschieber keinen Unterschied misst. Allein durch das zusammenstecken wird die Luft so stark verdrängt, dass das Teil "fest" ist, da durch den Luftabschluss beim herausnehmen ein Unterdruck die Teile zusammenhält. Kennst du vielleicht, wenn du schonmal Parallelstücken zusammengeschoben hast. Die halten allein durch die komplett verdrängte Luft so stark aneinander, dass man sie nicht mehr auseinandergezogen bekommt.

Edit:
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Mit Maßangabe, ein kleiner Strich entspricht 0,1mm, ein großer 1mm
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Das ist das innere eines der Ventile unterm Mikroskop. Das helle ist mein Finger. Da sieht man schon wie unfassbar glatt diese Oberfläche ist. Ich hab leider keinen Kolben eines Bremssattels hier um mal einen Vergleich zu zeigen, aber ich hoffe es zeigt wie unfassbar gering hier die Toleranzen sind.
Auch noch mal der Hinweis: Gilt nur für die beweglichen Teile. Die Stopfen etc sind hier nicht gemeint. Auch die Niederdruckspeicher haben recht hohes Spiel bzw PTFE-Ringe als Spielausgleich. Da sollte das keine Rolle spielen, ich weiß nur nicht ob man da jetzt so den Gewinn mit hat. Das kritische sind halt die Passungen, da die sich bei ein bisschen Verunreinigung nicht mehr bewegen.
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Re: ABS-Hydraulikeinheit Instandsetzung

Beitragvon Mazda RX-7 SA » Di 24. Aug 2021, 12:29

Kampfkuchen hat geschrieben:Es ist für Bremssättel gedacht und nicht für die Hydraulikeinheit.


Steht das irgendwo? Oder ist das nur deine Meinung?



Kampfkuchen hat geschrieben:Hier ist mit deutlich geringerer Toleranz gefertigt, einige Teile haben ohne zusätzliche Dichtung schon ihre Dichtwirkung. Nur durch die enorm geringe Toleranz der Bohrungen.


Dass in einem Hydraulik-Block kleinere Toleranzen und bessere Oberflächen sind ist mir schon bewußt.
Danke für die detailierten Infos dazu.

Allerdings kann ich deine Argumentation trotzdem nicht ganz nachvollziehen bzw. damit konform gehen.
Wenn die Toleranzen schon so klein sind, dass es ohne Dichtung schon eine dichtende Wirkung hat hast auch schon Reibung. Und Fett verringert bekanntermaßen ja die Reibung. Das Gegenteil passiert nur bei falschem Fett welches z.B. durch falsche Temperatur (sowohl zu hoch als auch zu niedrig) fester wird als es soll. Weiters hat ein trockener O-Ring eine extrem höhere Reibung als ein gefetteter.

Das von mir genannte Fett ist erstens schon einmal ziemlich dünn und kann auch extrem dünn aufgetragen werden. Im Extremfall wischt man sogar den Großteil wieder weg, aber der Schmierfilm der übrigbleibt "baut nicht auf" (platzmäßig) aber schmiert.
Ich sehe es halt kritisch solche Teile "trocken" zusammen zu bauen. Deine Lösung ist alles mit BFL zu befeuchten, sehe ich definitiv nicht als falsch! Würde ich aber nur dann machen, wenn das Fluid eh schon ein Öl ist (in der normalen Hydraulik mit Hydrauliköl z.b.).
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Re: ABS-Hydraulikeinheit Instandsetzung

Beitragvon Kampfkuchen » Di 24. Aug 2021, 14:43

Du musst die O-Ringe nicht fetten, da sie in Öl schwimmen, wo soll die Reibung herkommen? Ebenso alle anderen beweglichen Teile. Es ist ja nicht so, als wären die trocken. Das gesamte Innenleben der Einheit ist in Hydraulikflüssigkeit (Öl) getränkt.

Reibung entsteht auch durch eine entsprechende Rauheit der Oberfläche und die ist bei den fein gefertigten Teilen eben extrem gering, somit hast du auch wenig Reibung. Da quetscht auch nichts, sonst bekämst du es nicht mehr raus. Es gleitet astrein.

Dein Fett heißt "Bremszylinderpaste", wie kommt man darauf, dass es für was anderes als Bremssättel sein soll?

Kann nur sagen was meine Erfahrung und die Empfehlung von Fachleuten (Industriemechanikern zb) ist. Manche Dinge fettet man nicht, besonders weil sie ohnehin in Öl schwimmen. Du fettest ja auch nicht deine Nockenwelle, oder?
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Re: ABS-Hydraulikeinheit Instandsetzung

Beitragvon Mazda RX-7 SA » Mi 25. Aug 2021, 23:18

Kampfkuchen hat geschrieben:Du musst die O-Ringe nicht fetten, da sie in Öl schwimmen,


Ich rede nicht vom Normalbetrieb, sondern vom Zusammenbau wo man vorher alles gereinigt hat. Da ist es furz trocken.
Möglichkeit
a) "feuchten" mit Bremsfl.
b) "fetten" mit oben genanntem Fett


Kampfkuchen hat geschrieben:Dein Fett heißt "Bremszylinderpaste", wie kommt man darauf, dass es für was anderes als Bremssättel sein soll?


Gegenfrage: Warum nicht?

Kampfkuchen hat geschrieben:Du fettest ja auch nicht deine Nockenwelle, oder?


Das ist was anderes. Beim Einbau einer NK würde ich die Lagerstellen mit frischen Motoröl "befeuchten". Wie schon erwähnt, ist BFL aber nicht wirklich ein Schmiermittel. Also nicht wirklich vergleichbar.
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Re: ABS-Hydraulikeinheit Instandsetzung

Beitragvon Kampfkuchen » Do 26. Aug 2021, 16:23

Mazda RX-7 SA hat geschrieben:
Kampfkuchen hat geschrieben:Das ist was anderes. Beim Einbau einer NK würde ich die Lagerstellen mit frischen Motoröl "befeuchten". Wie schon erwähnt, ist BFL aber nicht wirklich ein Schmiermittel. Also nicht wirklich vergleichbar.


Doch, es ist schließlich auch Öl. Dein größtes Problem ist, dass das Zeug hygroskopisch ist und der Bums dadrin irgendwann anfängt zu rosten. Bzw der Abrieb.

Passungen fettet man schlichtweg auch nicht.

Mehr sag ich dazu dann nicht mehr. Wenn du es fetten willst, dann kannst du das machen, ich würd's lassen. Warum? Weil Bremsflüssigkeit ausreichend Schmierwirkung hat, weil man das bei Hydraulikteilen (zumindest mit Spiel- oder Quetschpassung) nicht macht (Aussage von drei gelernten Industriemechanikern und einem Mechaniker mit Meistertitel), Begründung: Passungen werden aufgrund des geringen Spiels nicht gefettet, da Fett zu viskos ist. Maximal Öl.

Ich würde es einfach mit Bremsflüssigkeit benetzen (so hab ich es gemacht) und einbauen.
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